Zinsen

Das historische Zinstief, welches die EZB im Gleichklang mit anderen internationalen Notenbanken vorgibt, hält vorläufig an. Für die Immobilienfinanzierung bedeutet das weiterhin äußerst günstige Konditionen, da die Bauzinsen der Vorgabe der EZB und damit dem Zinstief folgen. Es war in Deutschland seit Jahrzehnten nicht so günstig, eine Baufinanzierung in Angriff zu nehmen. Ein Indiz für die sinkenden Zinsen sind Renditen für deutsche Bundesanleihen, die aufgrund ihrer Sicherheit von den Anlegern aufgenommen werden. Gegenwärtig wird nahezu jeder Preis für sichere Anlagen gezahlt, entsprechend dieser Risikoscheu hat sich der Renditeabstieg von Bundesanleihen im Mai 2012 noch beschleunigt. Er betrifft alle Laufzeiten, bei zweijährigen Anleihen schwanken die Zinsen bereits um die Nulllinie. Für die zehnjährigen Anleihen zahlen die Anleger 1,13 Prozent, die Ein-Prozent-Marke wird ins Visier genommen. Das Zinstief am deutschen Rentenmarkt erreicht somit japanische Verhältnisse. Daraus schließen Analysten, dass auch die Immobilienfinanzierung weiter so preiswert bleiben wird wie in den letzten zwei Jahren.

Die Auswirkungen der EZB-Zinsen auf Baufinanzierungen

Aktuell liegt der Leitzins auf dem Rekordtief von 0 Prozent. Experten gehen grundsätzlich davon aus, dass die EZB ihre bislang lockere Geldpolitik in den kommenden zwei Jahren wieder strafft. Viele Immobilienkäufer fragen sich deshalb: Wenn die EZB den Leitzins irgendwann wieder anhebt – steigen die Zinsen für eine Baufinanzierung dann ebenfalls? Die Antwort lässt sich klar geben: Der Leitzins hat keinen direkten, unmittelbaren Einfluss auf die Zinsen für Baufinanzierungen. Im Gegenteil: Wenn er steigt oder sinkt, dann waren die Bauzinsen meist schneller und sind ihm schon längst vorausgeeilt.

Denn die EZB kündigt Änderungen am Leitzins in der Regel lange Zeit, bevor sie ihn tatsächlich ändert, an. So stellt sich der Markt bereits darauf ein, und die Baufinanzierungszinsen beginnen dementsprechend schon vor der Änderung die entsprechende Richtung einzuschlagen. Soll der Leitzins steigen, steigen die Bauzinsen vorab – und umgekehrt. Die Grafik macht diesen Zusammenhang deutlich sichtbar, indem sie die Leitzinskurve und die Kurve der Bauzinsen der letzten Jahre übereinanderlegt.

Sehen Sie, wie sich der Leitzins auf die Baufinanzierung auswirkt

Die direkten Einflussfaktoren auf die Bauzinsen

Tritt die Änderung schließlich ein, dann reagieren kurzfristig verzinste Anlagen wie Tagesgelder oder Festgelder noch mal verstärkt und sofort darauf. Langfristig verzinste Anlagen hingegen behalten einfach die Tendenz bei, die sie ohnehin zuvor schon hatten. So verhalten sich auch die Baufinanzierungszinsen, denn sie basieren auf den Konditionen von Pfandbriefen, die zu den langfristig verzinsten Anlagen zählen. Wie dieser Zusammenhang zustande kommt, erklärt unser ausführlicher Artikel „Der EZB Leitzins und sein Einfluss auf die Baufinanzierungszinsen“ im Detail.

Wer also erfahren möchte, wohin sich die Baufinanzierungszinsen entwickeln werden, kann den aktuellen Leitzins mehr oder weniger außen vor lassen. Viel interessanter ist dagegen der Blick auf die Pfandbriefe, und die wiederum sind direkt von den deutschen Staatsanleihen abhängig. Im Umkehrschluss sieht die Reaktionskette demnach folgendermaßen aus: Die Staatsanleihen wirken sich auf die Pfandbriefe aus, und die Pfandbriefe wiederum geben vor, wohin sich die Baufinanzierungszinsen entwickeln.